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Laichplatzsanierung

 

 

Laichplatzsanierung

 

an der großen Vils in Vilsbiburg, LK Landshut, Niederbayern

 

im Rahmen "Lebensraumverbessernde Maßnahmen"

 

Ein Projekt des Landesfischereiverbandes Bayern und des Kreisfischereivereins Vilsbiburg e.V.

 

 

1.Ortsbestimmung:

Die Vils ist einer der Nebenflüsse der Donau. Ihre Quellflüsse, die Kleine und die Große Vils, entspringen im Landkreis Erding in Oberbayern und vereinigen sich südlich von Gerzen zur Vils. Die Vils ist ca. 120km lang und mündet bei Vilshofen bei Kilometer 2248,7 in die Donau. Die mittlere Abflussmenge liegt bei 10m3/s, bei Hochwasser kann die Abflussmenge bis 520m³/s ansteigen. Der mäandernde Lauf des Flusses wird durch zahlreiche Kleinwasserkraftanlagen unterbrochen und verhindert dadurch, mit Ausnahmen von einigen Fischaufstiegshilfen, den freien Fischzug. Als Versuchsort wurde der kieshaltige Flussverlauf unterhalb der Kindlmühle (Besitzer Wackerbauer Wolfgang) im Gewässer des KFV Vilsbiburg e.V. im Stadtbereich Vilsbiburg gewählt.

 

Laichplatz1

 

Ort der Laichplatzsanierung in der Großen Vils in Vilsbiburg (roter Pfeil)

 

 

 

 

2. Artenbestimmung:

 

Das ausgesuchte Versuchsgebiet bietet hauptsächlich Lebensraum für Karpfen, Aitel, Barben, Nasen, Brachsen, Rotaugen und Lauben. Gesetzt werden in regelmäßigen Abständen Hecht, Zander, Bachforellen, Schleie und beschränkt auch Rutten.

 

3. Ausgangssituation:

 

Die Große Vils ist in diesem Bereich ein Gewässer 2. Ordnung. Jährlich können starke Hochwasser auftreten,

die eine Verschlammung und auch Verschiebung des Flussbettes hervorrufen.

 

·Das Versuchsgebiet ist ca. 70m lang

·Durchschnittliche Breite 12m

oAbflüsse: NQ 0,417m³/s, MNQ= 0,986m³/s, MQ= 2,69m³/s, MHQ= 53,3m³/s, HQ=151 m³/s

·Sortiment: Kies vorherrschend, verschlammt

·Lebensraum: Barben- und Karpfenregion

oWasserqualität: II-III, kritisch belastet, kein Sauerstoffmangel,sommerkühl unter 22° C

·Kiesbewertung unterhalb der Kindlmühle Klasse 4 (oberhalb Klasse 6)

oProjektträger: Landesfischereiverband Bayern e.V. in Zusammenarbeit mit dem Wasserwirtschafts-

amt Landshut und dem Kreisfischereiverein Vilsbiburg

 

 

 

4.Zielsetzung der lebensraumverbessernden Maßnahme:

 

·Erhöhung und Sicherung des Nasen und Barbenbestandes

·Erhöhung und Sicherung des Gesamtfischbestandes

·Erhöhung der Artenvielfalt

·Schaffung von Kieslaichplätzen

 

5.Problematik:

 

Gerade die typischen Kieslaicher haben Probleme, da sie auf ein sauberes Kieslückensystem angewiesen sind und dieses immer seltener vorfinden. Die Anpassungen und damit auch die Bindungen an das Kieslücken system sind sehr vielfältig und ausgeprägt

 

·Schutz vor Licht

·Schutz vor Feinden

·vor Strömung im Interstitium

·Lebensraum von Fischnährtieren

·Erstlingsnahrung

 

Ist das Interstitium teilweise verlegt, ist es wegen unterbrochener Durchblutung sauerstoffarm und dadurch als Lebensraum nicht brauchbar. Meistens sterben dann die abgelegten Eier oder die daraus schlüpfenden Larven ab. Ist es total verlegt, kann nicht mal eine Eiablage erfolgen. Der Fortbestand einer Spezies oder Fischpopulation ist dadurch sehr gefährdet. Auch in der Vils, wie in vielen anderen Gewässern, ist die Verschlammung ein Kardinalproblem, das nur schwerlich abzustellen ist. Die Eintragsquellen, hauptsächlich durch die intensive Nutzung durch die Landwirtschaft, sind sehr vielfältig und oft in Bereichen angesiedelt, an die man nicht herankommt.

Die daraus resultierende Problematik für die Vils bezüglich von Laichmöglichkeiten kann man folgendermaßen zusammenfassen:

 

·Die Reste an Kiesbänken in der Vils werden immer wieder neu mit Schlamm befrachtet

·Beeinträchtigung der Ablaichmöglichkeiten

·Nachschub an Kies kann wegen des Staubereichs durch Triebwerke nicht erfolgen

·Ständige künstliche, kostenaufwändige Schaffung von geeigneten Kiesflächen für kiesgebundene Fischarten

 

Vor der Maßnahme führte Herr Pulg vom Fischereiverband Bayern eine Höhenmessung im Bereich der Laichplatzsanierung durch und befand den angebotenen Bereich für geeignet. Zudem signalisierte der MühlenbesitzerHerr Wackerbauer seine Zustimmung, den Durchfluss der Mühle zu Wartungszwecken nicht zu stoppen und dadurch ein Absinken des Wasserstandes zu verursachen.

6. Planung und praktische Maßnahmen:

 

Im Vorfeld mussten einige Genehmigungen eingeholt werden:

 

·Zustimmung des Wasserwirtschaftsamtes Landshut

·Genehmigung des Kiesaustausches durch das Landratsamt Landshut (Hr. Reiter)

·Befragung der Fachberatung ( Hr. Hoch)

·Zustimmung durch den Mühlenbesitzer Hr.Wackerbauer wegen der Zugabe von 25 m³ Kies

(Sortierung 16/32 + 32/63)

·Zustimmung des Wiesenbesitzers Hr. Süßl wegen der Befahrung mit schwerem Gerät

·Suche nach einer geeigneten Firma, die die Maßnahme kostengünstig und Zuverlässig ausführt.

·Suche nach Jungfischen: Tobias Ruff, TU Freising

 

 

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Laichplatz2

Ulrich Pulg, Landesfischereiverband Bayern: Nivellierung am 19.9.06 vom Kraftwerkgumpen bis zur Brücke

7. Realisierungsphase:

 

Nachdem die Zuständigkeiten bei den Ämtern geklärt waren, musste eine geeignete Firma gefunden werden. Die Suche gestaltete sich zunächst als schwierig, da die angefragten Firmen nur unakzeptable Angebote abgaben. Die Firma Ludwig Gahr aus Sand bei Vilsbiburg erwies sich als ein kostengünstiger und zuverlässiger Partner. Der Einsatz eines Schreitbaggers war an dieser Stelle besonders günstig, da er bequem vom Wasser aus arbeiten konnte. Auch der Maschinenstundensatz von 75 Euro war zu finanzieren. Im Winter 2006 wurde die verschlammte Kiesbank in der Vils aufgelockert und ausgewaschen. Dadurch entstanden leichte Erhebungen im Flussbett.

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Laichplatz3Laichplatz4

 

Im unmittelbaren Bereich unterhalb der Mühle wurde als fortführende Maßnahme im Frühjahr 2007 der Schlamm entnommen . Der Kostenaufwändigste Teil war die Entsorgung des Schlammes, der abtrocknen musste und fachgerecht entsorgt wurde.

 

Laichplatz5

 

Laichplatz6

Ulrich Pulg, Landesfischereiverband Bayern: Langsschnitt

 

 

 

Laichplatz7Laichplatz8

 

Eingebrachte und aufgelockerte Kiesflächen bildeten sich in der verschlammten Vils.

8. Ergebnisse:

 

Ende April und Anfang Mai 2007 und 2008 konnten rege Laichtätigkeiten beobachtet werden. Nasen, Zährten,

Barben, Aitel, Rotaugen und Brachsen laichten auf der neuen Kiesbank. Die Laichaktivität der Aitel konnte 2007 sogar bis Ende Juni beobachtet werden.

 

Laichplatz9Laichplatz10

 

 

Laichplatz11

 

9.Zukünftige Maßnahmen:

 

Die sanierten Laichplätze werden höchstwahrscheinlich wieder verschlammen. Abhilfe könnte eine erneute

Umlagerung schaffen. Dies geschieht durch Hochwasser. Aber in unserem regulierten Gewässern müssen

die Fischer nachhelfen und selber jährlich mit Wathose ausgerüstet zur Schaufel greifen. Auch der Einsatz

der örtlichen Feuerwehr, die die Kiesbank mit dem Schlauch abspritzt, wäre denkbar. Gelegentlich wären

auch Geschiebezugaben notwendig, die jedoch eine amtliche Genehmigung beinhalten. Übrigens eignen

sich restaurierte Kieslaichplätze bestens, um Fischeier einzubringen. Eine Maßnahme, die hinsichtlich

dieses Projektes von der Vorstandschaft des Kreisfischereivereins Vilsbiburg zukünftig überdacht wird. Auch

die Schaffung weiterer Kieslaichplätze ist angestrebt.

 

Die Verbesserung der Fortpflanzungsbedingungen für kieslaichende Fische durch den KFV Vilsbiburg und dem Landesfischereiverband Bayern wurde auch der Öffentlichkeit in der örtlichen Presse durch mehrere Berichte mit Schlagzeilen wie -Attraktive Laichplätze schaffen oder der KFV und der Landesverband betätigen sich als Geburtshelfer -vorgestellt. Für die Fischer des Fischereivereins Vilsbiburg wurde der Gewässerabschnitt zur Befischung bis zum Ende des Projektes gesperrt.

 

 

Konzept: Höckinger/Jarosch, Vilsbiburg 2008